3. Osseointegration: Wie Titan mit dem Knochen verwächst
Die Bruchsicherheit allein macht Titan noch nicht zum idealen Implantatmaterial. Entscheidend ist eine Eigenschaft, die kein anderes Metall in dieser Form bietet: Titan verwächst direkt mit dem lebenden Knochen. Diesen Vorgang bezeichnen Zahnmediziner als Osseointegration.
Warum Titan mit dem Knochen verschmilzt
Die bereits erwähnte Oxidschicht von 2 bis 5 Nanometern spielt bei der Einheilung eine zentrale Rolle. Sie wirkt wie ein Schutzfilm, der verhindert, dass Titan korrodiert oder vom Körper als Fremdkörper erkannt wird. An dieser Oberfläche lagern sich knochenbildende Zellen (Osteoblasten) an und bilden neues Knochengewebe, das die Titanschraube direkt umschließt. Anders als bei anderen Materialien entsteht keine Bindegewebsschicht zwischen Implantat und Knochen.
Moderne Implantathersteller verstärken diesen Effekt durch gezielte Oberflächenbehandlungen. Durch Sandstrahlen, Säureätzen oder Hydroxyapatit-Beschichtungen entsteht eine Mikrorauheit, die den Osteoblasten mehr Ankerpunkte bietet. Das beschleunigt die Einheilung und verbessert die Langzeitstabilität.
Einheilungszeit und Erfolgsquote
Ein Titanimplantat braucht in der Regel 6 bis 12 Wochen, um stabil mit dem Knochen zu verwachsen. Im Vergleich dazu benötigen Keramikimplantate häufig bis zu 24 Wochen. Dieser Unterschied ist für viele Patienten ein wichtiges Entscheidungskriterium, weil eine kürzere Einheilzeit weniger Einschränkungen im Alltag bedeutet.
Die Erfolgsquote der Osseointegration liegt bei 95 bis 98 Prozent über einen Zeitraum von zehn Jahren. Diese hohe Quote zeigt, dass der Körper Titan in den allermeisten Fällen zuverlässig akzeptiert. Voraussetzung ist allerdings eine gute Knochenqualität am Implantationsort. Reicht das vorhandene Knochenangebot nicht aus, kann ein vorgelagerter Knochenaufbau nötig sein.
Quellen:
DocCheck Flexikon
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zahnarzt-drseidel.de